KI sicher einsetzen: Ein landesweiter Kompass für Cybersicherheit im Mittelstand

Künstliche Intelligenz eröffnet enorme Chancen – und schafft neue Risiken. Der Markt für Sicherheits- und Unterstützungsangebote im Bereich KI-Cybersecurity ist dabei für viele kleine und mittlere Unternehmen kaum überschaubar. Mit dem vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg geförderten Projekt „Cybersicherheit mit und für KI“ schafft die KI-Allianz Baden-Württemberg gemeinsam mit starken Partnern eine qualitätsgesicherte Orientierung: Unterstützungsangebote werden systematisch gesichtet, bewertet und praxisnah für KMU aufbereitet.

Künstliche Intelligenz verändert Geschäftsmodelle, Wertschöpfungsketten und Entscheidungsprozesse in einer Geschwindigkeit, die viele Organisationen vor strukturelle Herausforderungen stellt. Gleichzeitig verschärft sich die Bedrohungslage im Cyberraum: Angriffe werden professioneller, automatisierter und zunehmend selbst KI-gestützt. Wer KI einführt, erweitert damit nicht nur Innovationspotenziale, sondern auch die eigene Angriffsfläche.

„Unternehmen brauchen keine weitere endlose Liste von Möglichkeiten. Sie brauchen verlässliche Orientierung“ - Dr. Jan Zipp

Cybersicherheit mit und für KI: Warum Orientierung jetzt zur strategischen Ressource wird

Vor diesem Hintergrund wird deutlich: KI und Cybersicherheit dürfen nicht getrennt gedacht werden. Es geht nicht nur um den Schutz klassischer IT-Infrastrukturen, sondern um Fragen wie Modellmanipulation, Datenvergiftung, Prompt Injection, den sicheren Einsatz generativer Systeme oder die Resilienz KI-gestützter Entscheidungsprozesse. Die Qualität der eingesetzten Technologien ist dabei ebenso entscheidend wie die Qualität der begleitenden Unterstützungsangebote. Denn nur was wir wirklichverstehen, können wir sinnvoll implementieren und steuern.

Genau hier setzt das Projekt „Cybersicherheit mit und für KI: Sichtung, Bewertung und Sichtbarmachung von Unterstützungsangeboten“ an. Die Idee: strukturieren, bewerten, kuratieren. Anstatt das Rad neu zu erfinden, filtert das Projektteam den Markt. In Kategorien wie Compliance, Incident Response oder KI-spezifische Absicherung werden jeweils rund 20 Angebote gescreent. Am Ende stehen pro Bereich drei bis fünf glasklare Empfehlungen, die speziell auf die Bedürfnisse und Ressourcen von KMU zugeschnitten sind.

Gerade für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stellt sich nämlich eine grundlegende Orientierungsfrage: Welche Angebote im Markt sind relevant, seriös und tatsächlich umsetzbar? Und welche versprechen mehr, als sie in der Praxis leisten können?

Gerade im Bereich der Unterstützungsangebote – also beispielsweise Schulungs- und Qualifizierungsangebote oder Programme zur Sensibilisierung von Mitarbeitenden für KI-spezifische Risiken – ist der Markt geflutet mit Tools und Versprechen. Eine Situation, die oft eher zu Lähmung als zu Handlungsfähigkeit führt. „Unternehmen brauchen keine weitere endlose Liste von Möglichkeiten. Sie brauchen verlässliche Orientierung“, betont Dr. Jan Zipp, der das Projekt innerhalb der KI-Allianz maßgeblich vorantreibt.

Qualität vor Quantität: Kuratierte Sicherheit „Made in BW“

„Wir schaffen auch in diesem zunehmend relevanten Feld der KI-Entwicklung eine qualitätsgesicherte Auswahl aus der Praxis für die Praxis“, so Zipp. Ziel sei kein vollständiger Marktatlas, sondern eine qualitätsgesicherte, handlungsorientierte Auswahl, die Unternehmen eine belastbare Entscheidungsgrundlage bietet.

Die methodische Komplexität liegt dabei weniger in technischer Detailprüfung einzelner Produkte als in der strukturierten Vergleichbarkeit heterogener Formate. Genau hier setzt die kuratierende Funktion des Projekts an: Komplexität wird reduziert, ohne in Vereinfachung zu verfallen.

Die Ergebnisse werden im „Rolling Release“-Verfahren veröffentlicht, sodass Unternehmen nicht auf einen Abschlussbericht warten müssen, sondern sofort von den Erkenntnissen profitieren können.

Bereits heute arbeitet die KI-Allianz an Themen wie den verantwortungsvollen KI-Einsatz oder regulatorische Entwicklungen.

Sicherheit als Innovationsvoraussetzung

Die Debatte um KI wird häufig entlang der Achse „Chancen vs. Risiken“ geführt. Tatsächlich sind beide Seiten untrennbar miteinander verbunden. Ohne tragfähige Sicherheitsarchitekturen und ohne belastbare Unterstützungsangebote wird KI ihr Innovationspotenzial nicht entfalten können – insbesondere nicht im Mittelstand.

Bereits heute arbeitet die KI-Allianz an Themen wie den verantwortungsvollen KI-Einsatz, regulatorische Entwicklungen (etwa im Kontext des europäischen AI Acts), Qualifizierung sowie dem Aufbau qualitätsgesicherter Informations- und Unterstützungsstrukturen. Das neue Projekt ergänzt dieses Portfolio um eine zentrale Dimension: die systematische Verbindung von Innovationsförderung und Sicherheitskompetenz.

Wie alle Projekte der KI-Allianz ist auch dieses kein isoliertes Vorhaben, sondern konsequent in die strategischen Handlungsfelder eingebettet. Die Allianz versteht sich als Transfer- und Strukturakteurin zwischen Forschung, Wirtschaft und Politik – mit dem Anspruch, Innovation und Verantwortung systematisch zusammenzuführen.

“KI verantwortungsvoll nutzen, Risiken souverän managen”

„Wenn wir die Chancen von KI verantwortungsvoll nutzen wollen, müssen wir die Risiken souverän managen. Die passenden Unterstützungsangebote bringen die notwendige Kompetenz und stärken die Organisationskultur im Sinne einer gewinnbringenden und eben auch sicheren Transformation“, erklärt Dr. Jan Zipp.

Cybersicherheit ist daher keine nachgelagerte Schutzmaßnahme, sondern eine Voraussetzung strategischer Handlungsfähigkeit. Wer KI einsetzt, benötigt Orientierung, Kompetenz und vertrauenswürdige Strukturen. Mit dem neuen Projekt schafft die KI-Allianz Baden-Württemberg genau hierfür eine belastbare Grundlage: qualitätsgesicherte Transparenz in einem Feld, das für die Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz von Unternehmen zunehmend entscheidend ist.

Das Ökosystem als Wirkungsbeschleuniger

Die Stärke dieses Vorhabens liegt in der genossenschaftlichen DNA der KI-Allianz. Durch die enge Verzahnung mit regionalen Partnern fließen Bedarfe direkt aus den Unternehmen zurück in das Projekt. Es entsteht ein gemeinsamer Qualitätsrahmen, der über die einjährige Projektlaufzeit hinaus Bestand haben wird.

Ab Frühjahr 2026 wird dieser neue „Sicherheits-Kompass“ schrittweise ausgerollt. Für die Unternehmen im Land bedeutet das: Weniger Sorgen um den „KI-Dschungel“ und mehr Fokus auf das, was sie am besten können – Innovationen vorantreiben.

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