KI-Infrastruktur: Mehr als nur Cloud

Baden-Württemberg verfügt über starke Forschung, innovative Unternehmen und den Willen zur Gestaltung. Doch zwischen Anspruch und Umsetzung klafft eine Lücke. Viele Betriebe wollen KI nutzen – zögern aber noch. Jetzt zeigt sich: KI-Infrastruktur ist mehr als Technik. Sie ist eine Frage strategischer Souveränität und gemeinsamen Handelns.

Die vier Dimensionen einer tragfähigen Infrastruktur

Wer von „KI-Infrastruktur“ spricht, denkt oft reflexartig an Hyperscaler oder große Cloud-Services. Doch diese technische Perspektive greift zu kurz, insbesondere für den Mittelstand, der das Rückgrat der Wirtschaft in Baden-Württemberg bildet. Eine tragfähige, zukunftsfähige Infrastruktur muss vier Dimensionen umfassen, die untrennbar miteinander verbunden sind und in dieser multidimensionalen Betrachtung essenziell sind:

Cloud, High Performance Computing (HPC) und spezialisierte AI-Factories bilden die technische Grundlage. Entscheidend ist jedoch nicht nur die Bereitstellung von Rechenressourcen, sondern deren sichere, datenschutzkonforme und bedarfsorientierte Nutzung – etwa durch den Ausbau der HPC-Kapazitäten des Höchstleistungsrechenzentrums Stuttgart (HLRS).

Technische Infrastruktur entfaltet ihr Potenzial erst dann, wenn qualitativ hochwertige Daten vorhanden sind und verantwortungsvoll geteilt werden können. Durch klare Austauschmechanismen, regionale Datenräume und eine übergeordnete Datenstrategie entsteht der Kontext, in dem Unternehmen und Verwaltungen tatsächliche Wertschöpfung erzielen können.

KI ist kein Tool-Kauf, sondern ein tiefgreifender Transformationsprozess. Projekte scheitern oft, weil Skalierung nicht mitgedacht, interne Kompetenzen nicht aufgebaut oder Prototypen vorschnell als Endlösung missverstanden werden. Es geht um die Etablierung von Compliance und klaren Verantwortlichkeiten.

Der oft unterschätzte Erfolgsfaktor. Nur mit dem Verständnis für den KI-Einsatz auf allen Ebenen, der Bereitschaft zur Weiterbildung und einer realistischen Erwartungshaltung entfaltet die beste Technologie ihren vollen Nutzen.

Gerade der Mittelstand, der vor großen Investitionsentscheidungen steht, formuliert hier berechtigte Sorgen: „Wo liegen meine Daten, und wie schütze ich mich vor einem Vendor Lock-in?“ – also dem Risiko, von einem einzelnen Anbieter abhängig zu werden und später kaum noch flexibel wechseln zu können, weil Daten, Schnittstellen oder Technologien nicht übertragbar sind. Ebenso entscheidend ist die Frage: „Welche konkreten Use Cases bringen uns einen echten Mehrwert?“ Es geht um Vertrauen und die Fähigkeit, technologische Entscheidungen strategisch und souverän im eigenen Unternehmen zu gestalten.

Die vier Dimensionen einer tragfähigen KI-Infrastruktur​.

Open Source und der genossenschaftliche Weg zur Souveränität

Eine Antwort auf die Sorge vor Abhängigkeit liegt in der offenen Gestaltung der Infrastruktur. Open Source ist längst keine reine Entwickler-Nische mehr, sondern ein zentrales, strategisches Element souveräner KI-Infrastruktur. Es ermöglicht reduzierte Abhängigkeit von einzelnen Tech-Giganten, den Vertrauensaufbau durch Nachvollziehbarkeit und Überprüfbarkeit und größere Ökosysteme und bessere Wiederverwendbarkeit von Modellen.

Open-Source-Ansätze ermöglichen es, technologische Entwicklungen transparent, nachvollziehbar und gemeinschaftlich weiterzuentwickeln. Darauf baut auch das genossenschaftliche Modell der KI-Allianz Baden-Württemberg auf. Es versteht sich nicht als Gegenentwurf zu marktgetriebenen Geschäftsmodellen. Viele unserer Mitglieder verfolgen und fördern wirtschaftliche Ziele, und gerade deshalb ergänzt das Modell bestehende Strukturen, indem es verantwortungsvolle Innovation erleichtert. Unsere neutrale Struktur schafft Vertrauen zwischen privaten, öffentlichen und wissenschaftlichen Akteuren. Die Stärken liegen in geteilter Kontrolle und in der Fähigkeit, unterschiedlich gelagerte Interessen so auszubalancieren, dass daraus nachhaltige Wirkung für das gesamte KI-Ökosystem entsteht.

Workshop der KI-Datenplattform an der Uni Freiburg.

Die Rolle der Community: Von Bedarfen zur Anwendung

Der Wert einer technischen Infrastruktur entfaltet sich erst durch ihre Nutzung und aktive Weiterentwicklung – Community schlägt Technologie. Genau hier setzen wir als KI-Allianz an: Mithilfe der regional verankerten Community-Managern verstehen wir die Bedarfe in der Fläche besser als jede abstrakte Studie. So schaffen wir neutrale Räume für Austausch, Orientierung und die Etablierung gemeinsamer Standards.

Dabei ergänzen sich die Rollen der Akteure ideal:

Ausblick: Gemeinsame Verantwortung für eine resiliente Zukunft

Baden-Württemberg verfügt über hervorragende Voraussetzungen, und nun gilt es, diesen Vorteil aktiv weiterzuentwickeln. Der Aufbau einer souveränen, resilienten KI-Infrastruktur gelingt nicht durch den Einsatz einzelner Tools, sondern durch einen bewusst gestalteten Transformationsprozess. Dafür braucht es Vertrauen zwischen Akteuren, tragfähige Open-Source-Ansätze, regionale Datenräume sowie nutzerorientierte Entwicklung und neutrale Partner, die Orientierung bieten.

Wenn Forschung, Wirtschaft und Community diesen Weg gemeinsam gehen und die vier Dimensionen der Infrastruktur im Zusammenspiel berücksichtigen, kann eine KI „made in the Länd“ entstehen, die technologisch stark, wirtschaftlich tragfähig und gesellschaftlich breit verankert ist.

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