Whitepaper Ethik und Recht

KI-Allianz Baden-Württemberg veröffentlicht Whitepaper für vertrauenswürdige KI-Infrastrukturen

Zielgruppen sind KMU, Kommunen und politische Entscheidungsträger in Baden-Württemberg

Stuttgart, den 02.04.2026 – Künstliche Intelligenz entfaltet ihren Nutzen nur dort, wo Daten verlässlich, rechtssicher und vertrauenswürdig geteilt werden können. Genau das ist für viele Organisationen – insbesondere KMU, Kommunen und öffentliche Einrichtungen – bis heute eine der größten Hürden beim KI-Einsatz.

Die KI-Allianz Baden-Württemberg hat erkannt, dass eine funktionierende KI-Infrastruktur zwei Dinge braucht: solide Technik und einen klaren rechtlich-ethischen Rahmen. Beides wurde parallel entwickelt und aufeinander abgestimmt. Das diesbezügliche Whitepaper wurde von der Taskforce „Ethik & Recht“ erarbeitet – unter Beteiligung von Expertinnen und Experten vom Universitätsklinikum Freiburg, der Universität Tübingen (IZEW), dem FZI Forschungszentrum Informatik, dem KIT und dem Fraunhofer IOSB. In interdisziplinären Workshops wurden konkrete Anwendungsszenarien aus Gesundheitsversorgung, Mobilitätsplanung und industrieller Qualitätssicherung durchgespielt, um ethische und rechtliche Anforderungen an realen Fragestellungen zu schärfen. Seit Dezember 2025 sind die ersten technischen Bausteine der KI-Datenplattform als Open Source verfügbar. Mit dem nun veröffentlichten Whitepaper „Ethische und rechtliche Anforderungen an eine KI-Datenplattform“ ist das Fundament vollständig.

Das Whitepaper beantwortet die Fragen, die sich jede Organisation stellen muss, bevor sie Daten über eine gemeinsame Infrastruktur teilt: Wer darf was sehen? Wer haftet wofür? Wie wahren Unternehmen ihre Datenhoheit? Wer profitiert von der Datennutzung? Wer darf über ihren Einsatz mitentscheiden? Und wie bleibt die Plattform innerhalb europäischer Rechtsrahmen wie DSGVO, AI Act und Data Governance Act konform – auch wenn diese sich weiterentwickeln?

Wer heute in die KI-Datenplattform einsteigt, profitiert von einer Infrastruktur, die von Anfang an auf Datensouveränität, Rechtssicherheit und europäische Anschlussfähigkeit ausgelegt ist.

Technik und Ethik, die zusammenpassen

Technische Bausteine der KI-Datenplattform und ethisch-rechtlicher Rahmen wurden parallel entwickelt und sind aufeinander abgestimmt. Das Whitepaper beschreibt nicht theoretisch, wie eine Plattform sein sollte – es hebt hervor, nach welchen Prinzipien die bereits entwickelten Module gestaltet wurden.

Ein zentrales Gestaltungsprinzip ist dabei, dass Daten nicht zentral gespeichert werden. Unternehmen, Kliniken oder Forschungseinrichtungen behalten ihre Daten bei sich. Die Plattform macht über standardisierte Metadaten auffindbar, was vorhanden ist und unter welchen Bedingungen es genutzt werden kann. Wer auf Daten zugreifen möchte, handelt das über die Plattform aus – mit klar definierten Nutzungsrechten, Zweckbindungen und Protokollen. Das Whitepaper nennt dieses Prinzip „Compliance-by-Design“: Rechtssicherheit ist eingebaut, nicht nachgerüstet.

„Innovation, ethische Orientierung und rechtliche Absicherung sind keine Gegensätze. Wer regulatorische Anforderungen frühzeitig in technische Spezifikationen integriert, schafft Planungssicherheit – gerade für den Mittelstand.“

Dr.-Ing. Thomas Usländer, Fraunhofer IOSB, Projektleiter der KI-Datenplattform

Was das Whitepaper konkret beschreibt

Das Dokument übersetzt relevante Werte und Bereiche der KI-Nutzung in konkrete Design- und Governance-Anforderungen: Rechte und Autonomie sichern freiwillige, informierte und jederzeit widerrufbare Einwilligungen. Datensouveränität bedeutet, dass Daten bei den bereitstellenden Institutionen verbleiben – die Plattform verwaltet nur Metadaten und Zugriffsrechte. Sicherheit wird durch Orientierung an ISO 27000 und BSI-Grundschutz sowie transparente Prozesse und unabhängige Audits gewährleistet. Datenqualität wird durch automatisierte Prüfungen von Struktur, Vollständigkeit und Datenschutzkonformität sichergestellt. Fairness verankert Mechanismen zur Bias-Detektion fest in der Plattform. Auch Nachhaltigkeit ist berücksichtigt: Energieeffizienz, erneuerbare Energien und Orientierung am Climate Neutral Data Centre Pact sind Teil des Rahmens.

Warum Ethik und Recht gerade für KMU wichtig sind

Das Whitepaper benennt klar, woran viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) scheitern, wenn sie KI einsetzen wollen: Sie verfügen weder über eigene Rechtsabteilungen noch über große Datensammlungen. Ohne Unterstützung müssen sie für jedes Projekt individuell Datenquellen suchen, Verträge aushandeln und prüfen, ob ihre geplante Nutzung mit DSGVO, AI Act und weiteren EU-Regelwerken vereinbar ist. Das kostet Ressourcen, die viele KMU nicht haben – und führt dazu, dass Projekte gar nicht erst starten.

Die Plattform soll diesen Aufwand strukturell reduzieren: durch standardisierte Zugänge, vorgeprüfte Nutzungsbedingungen und automatisierte Qualitätsprüfungen. Das Whitepaper formuliert dafür konkrete Anforderungen, etwa ein „Starterpaket“ für KMU mit Checklisten und Beispiel-Datenstrukturen sowie ein Entscheidungs-Unterstützungswerkzeug, das bei der Auswahl geeigneter Datensätze hilft.

„Technologien sind nicht neutral. Gerade Plattformen prägen, was möglich ist und was nicht. Deshalb müssen ethische und rechtliche Prinzipien von Beginn an fest in die Architektur eingeschrieben sein.“

Carolin Heizmann, Universitätsklinikum Freiburg, Mitautorin des Whitepapers

Eingebettet in europäische Datenräume

Die Plattform ist von Beginn an auf Kompatibilität mit zentralen europäischen Dateninitiativen ausgelegt. Dazu gehören GAIA-X für ein souveränes Cloud- und Datenökosystem, Manufacturing-X und Catena-X für sicheren Datenaustausch in Industrie und Automobilbranche sowie der European Health Data Space (EHDS) für europaweite Gesundheitsdatennutzung unter Datenschutzbedingungen.

Diese Anschlussfähigkeit bedeutet in der Praxis: Wer die KI-Datenplattform nutzt, muss nicht später nachrüsten, wenn neue EU-Regelwerke in Kraft treten.

Nächste Schritte: Early Adopters gesucht

Das Whitepaper bildet die Grundlage für die technische Weiterentwicklung der Plattform, die im Rahmen des durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg geförderten Projekts entstanden ist. Unternehmen, Forschungseinrichtungen und öffentliche Institutionen sind eingeladen, sich als Early Adopters einzubringen, eigene Anwendungsfälle zu testen und die Plattform aktiv mitzugestalten.

Whitepaper zum Download: https://freidok.uni-freiburg.de/data/276339

Open-Source-Module auf GitHub: https://github.com/KI-Allianz/

Kontakt: https://ki-allianz.de/projekte/ki-datenplattform/

Über die KI-Allianz Baden-Württemberg eG

Die KI-Allianz Baden-Württemberg eG ist die neutrale Orientierungs- und Transferplattform für Künstliche Intelligenz im Land. Sie bündelt regionale Kompetenzen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung und schafft verlässliche Strukturen für die Anwendung von KI in Unternehmen und Kommunen. Als genossenschaftlich organisierte Institution handelt die KI-Allianz unabhängig von Anbieterinteressen und ohne klassische Beratungslogik. Ihr Fokus liegt auf bedarfsorientierter Koordination, Transfer in die Fläche und nachhaltiger Umsetzung.

Die KI-Allianz und die verbundenen Projekte werden gefördert durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg. Mehr unter: www.ki-allianz.de

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