Mit Formaten wie „100 Minuten IT“ wollen die KI-Allianz Baden-Württemberg und die Kontaktstellen Frau und Beruf Baden-Württemberg Frauen dabei unterstützen, künstliche Intelligenz verständlich einzuordnen und aktiv im Berufsalltag zu nutzen
Die einen probieren täglich neue KI-Anwendungen aus, die anderen halten bewusst Abstand. Dazwischen stehen viele Menschen, die zwar spüren, dass sich Arbeitswelt und Gesellschaft verändern, im Umgang mit künstlicher Intelligenz aber vor allem Orientierung suchen. Besonders Frauen erleben die Veränderungen am Arbeitsmarkt oft sehr direkt, sei es durch neue Anforderungen, digitale Umbrüche oder die Frage, welche Rolle sie in einer zunehmend KI-geprägten Arbeitswelt künftig einnehmen können.
Für Milena Stegner ist genau das der Punkt, an dem Orientierung wichtig wird. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin an der DHBW Heilbronn und Teil des KI-Campus beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit der Frage, wie Menschen einen verständlichen und reflektierten Zugang zu KI finden können unabhängig davon, ob sie aus der Technik kommen oder nicht. Mit ihrem Unternehmen „AIdeas“ vermittelt sie generative KI in Workshops, Vorträgen und Schulungen für Lehrende, Frauen und Unternehmen. Ihr Ziel: Menschen befähigen, technologische Entwicklungen nicht nur zu konsumieren, sondern aktiv mitzugestalten.
Vom Klassenzimmer in die KI-Welt
Dabei begann ihr eigener Weg ursprünglich nicht in der Informatik, sondern im Klassenzimmer. Stegner arbeitete zunächst als Gymnasiallehrerin für Englisch, Politik, Philosophie und Ethik. Nach einiger Zeit stieß sie auf den KI-Campus, belegte erste Kurse und begann, sich intensiver mit den gesellschaftlichen Auswirkungen von KI auseinanderzusetzen. Heute promoviert sie an der Universität Freiburg im Bereich KI und Ethik und untersucht unter anderem, welche Auswirkungen KI-Chatbots auf Jugendliche haben können.
„Viele Menschen bewegen sich aktuell zwischen Überforderung und falscher Ehrfurcht vor KI. Dabei nutzen wir KI-Systeme längst im Alltag, oft, ohne es überhaupt bewusst wahrzunehmen“, sagt Stegner. „Falsche Ängste verdecken oft die Probleme, die wir wirklich angehen können und müssen“. Entscheidend sei deshalb nicht nur der Zugang zu Technologie, sondern vor allem die Fähigkeit, Entwicklungen einordnen und kritisch bewerten zu können. Gerade darin sieht sie eine zentrale Zukunftskompetenz.
© User Experience Hochschule Aalen | Myra Baumgärtner
Warum viele Menschen den Einstieg nicht finden
In ihrer Arbeit erlebt sie immer wieder, dass insbesondere Menschen ohne technischen Hintergrund großes Interesse an KI mitbringen, gleichzeitig aber häufig nicht wissen, wo sie anfangen sollen. „Die größte Hürde ist oft nicht die Technik selbst, sondern die Vielzahl an Tools, Informationen und Erwartungen. Viele denken zuerst an einzelne Anwendungen, obwohl die wichtigere Frage eigentlich lautet: Wo kann KI meinen eigenen Arbeitsalltag sinnvoll unterstützen?“
Für die Promovierende geht es deshalb nicht darum, Menschen möglichst viele Tools zu zeigen, sondern ihnen Orientierung zu geben und Berührungsängste abzubauen. Gleichzeitig sei es wichtig, die gesellschaftlichen Auswirkungen von KI nicht auszublenden. „Wir brauchen mehr Menschen, die mitreden können und die Entwicklungen kritisch begleiten. Gerade Frauen sollten die Veränderungen nicht nur beobachten, sondern aktiv mitgestalten.“
Konkrete Anwendungen und Orientierung für den Berufsalltag bei „100 Minuten IT”
Genau hier setzt auch die Onlineveranstaltung „100 Minuten IT“ an, die am Dienstag, 14. Juli 2026, um 17 Uhr stattfindet. Gemeinsam mit der Referentin Milena Stegner möchten die KI-Allianz Baden-Württemberg und die Kontaktstellen Frau und Beruf Baden-Württemberg Frauen dabei unterstützen, KI verständlich einzuordnen und konkrete Einsatzmöglichkeiten kennenzulernen. Im Mittelpunkt stehen alltagsnahe Anwendungen aus Kommunikation, Organisation, Datenanalyse und beruflicher Selbstständigkeit sowie die Frage, welche Kompetenzen künftig wichtig werden.
Die Veranstaltung richtet sich insbesondere an Frauen, die sich beruflich neu orientieren, weiterentwickeln oder erste Berührungspunkte mit KI gewinnen möchten auch ohne technischen Hintergrund. Neben konkreten Beispielen und Anwendungen werden auch kostenfreie Weiterbildungsangebote vorgestellt. Ziel ist es, Frauen zu ermutigen, sich aktiv mit technologischen Entwicklungen auseinanderzusetzen und eigene Gestaltungsmöglichkeiten zu erkennen.
Die KI–Allianz Baden-Württemberg setzt gemeinsam mit regionalen Partnerinnen und Partnern im Ostalbkreis einen Schwerpunkt auf den Aufbau von KI-Kompetenzen und die Stärkung von Fachkräften im Umgang mit digitalen Technologien. Formate wie „100 Minuten IT“ sollen dazu beitragen, Menschen frühzeitig Orientierung zu geben und sie dabei zu unterstützen, technologische Entwicklungen aktiv mitzugestalten.
Anmeldung zur Veranstaltung
100 Minuten IT – Dienstag, 14. Juli 2026, 17:00 bis 18:40 Uhr, online und kostenfrei.