Das Landesprojekt „KI kann’s. Fachkräfte sichern für Baden-Württemberg.“ läuft seit Anfang 2026. Ina Biesenbach verantwortet als Projektkoordinatorin und Kreativstrategin die filmische Umsetzung mit. Nach den ersten abgeschlossenen Drehtagen spricht sie über Projektansatz, Unternehmensauswahl und erste Eindrücke aus der Praxis.
Ina, worum geht es bei „KI kann's" – und für wen ist das Projekt gemacht?
„KI kann’s“ ist eine Videoserie, die anhand echter Praxisbeispiele zeigt, wie kleine und mittelständische Unternehmen in Baden-Württemberg KI bereits heute einsetzen, um Fachkräfte zu entlasten, etwa indem internes Wissen gesichert oder Arbeitsprozesse effizienter gestaltet werden. Das Projekt richtet sich vor allem an Unternehmen, die sich fragen: Was bringt nachweislich eine wirkliche Entlastung und welche Lösungen könnten auch zu uns passen? Unser Ziel ist es, Orientierung zu schaffen, Berührungsängste abzubauen und KI differenzierter sichtbar zu machen: nicht als Gefahr für den Arbeitsmarkt, sondern als echte Unterstützung für Unternehmen und Mitarbeitende.
Was sollen die Zuschauer:innen am Ende mitnehmen – und welche Wirkung erhofft ihr euch?
Es ist uns wichtig zu zeigen, dass man nicht sofort das gesamte Unternehmen umstrukturieren muss. Oft reichen schon kleine, niedrigschwellige Lösungen, um Mitarbeitende zu entlasten oder Prozesse sinnvoll zu unterstützen. Die Zuschauer:innen sollen mitnehmen, dass KI greifbar, machbar und individuell an die eigenen Bedürfnisse anpassbar ist.
Was wir uns von dem Projekt erhoffen, ist mehr Orientierung und mehr Umsetzungsbereitschaft. Viele Unternehmen wissen grundsätzlich, dass KI Potenzial hat, aber ihnen fehlen konkrete Beispiele aus ihrer eigenen Realität. Wenn Betriebe sehen, dass andere Unternehmen aus Baden-Württemberg bereits erfolgreich KI gegen den Fachkräftemangel einsetzen, entsteht Vertrauen. Im besten Fall schaffen wir damit einen Wissenstransfer aus der Praxis für die Praxis.
Warum braucht es dieses Projekt gerade jetzt?
Baden-Württemberg steht vor einer doppelten Herausforderung: Der demografische Wandel verschärft den Fachkräftemangel und gleichzeitig steigt der Druck auf Unternehmen, produktiver und innovativer zu arbeiten. Viele Betriebe merken heute ganz konkret, dass Stellen unbesetzt bleiben, Wissen durch ausscheidende Mitarbeitende verloren geht und Teams an ihre Belastungsgrenzen kommen. KI ist dabei nicht die Antwort auf alles, aber sie kann ein wichtiger Hebel sein: Sie übernimmt Routinen, unterstützt bei Qualifizierung, verbessert das Wissensmanagement und schafft Freiräume für die eigentliche Facharbeit. Genau diese realistischen Einsatzmöglichkeiten wollen wir sichtbar machen – gerade auch, um zu zeigen, dass KI und menschliche Arbeit sich nicht ausschließen müssen, sondern bestenfalls sinnvoll ergänzen.
Wonach sucht ihr bei den Unternehmen – und was macht für euch einen guten Case aus?
„Wir suchen nach KI-Anwendungen, die sich im Arbeitsalltag bewährt haben und bei denen ein Fachkräfteeffekt spürbar geworden ist: durch effizientere Arbeitsweise, bessere Arbeitsbedingungen oder zeitliche Entlastung – oft auch als Kombination. Die Cases finden wir meist über unser Netzwerk, aber wir freuen uns auch, wenn Unternehmen aktiv auf uns zukommen. Besonders interessant wird es immer dann, wenn nicht nur die Technologie im Vordergrund steht, sondern auch die Geschichte dahinter: Welche Herausforderung gab es und wie hat KI konkret geholfen?
Ihr habt bereits die ersten Dreharbeiten abgeschlossen. Mit welchem Unternehmen startet die Videoreihe und was hat euch beim Dreh erwartet?
Den ersten Dreh hatten wir bei Bäcker Baier aus Herrenberg – also einem traditionellen Handwerksbetrieb, den man nicht sofort mit KI in Verbindung bringt. Gerade deshalb war dieser Case für uns so spannend. Geschäftsführer Jochen Baier setzt KI zur Mengenprognose ein: Das System berechnet auf Basis von Faktoren wie Wetter, Feiertagen oder regionalen Veranstaltungen, wie viele Backwaren in den nächsten Tagen tatsächlich benötigt werden. Das sorgt nicht nur für eine präzisere Planung, sondern hat konkrete Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen im Betrieb: Durch die bessere Planbarkeit konnte die Nachtarbeit deutlich reduziert und flexiblere Arbeitszeitmodelle konnten geschaffen werden – ein messbarer Mehrwert für die Mitarbeitenden. Besonders beeindruckend war, mit wie viel Überzeugung Herr Baier das Thema angeht. Er führt den Familienbetrieb in sechster Generation und zeigt, dass KI und traditionelles Handwerk kein Widerspruch sind. Im Gegenteil: Die Technologie schafft Freiräume, damit wieder mehr Fokus auf das eigentliche Handwerk gelegt werden kann.
Was sind die nächsten Schritte im Projekt?
Die weitere Recherche und Auswahl zusätzlicher Unternehmen aus Baden-Württemberg steht im Mittelpunkt – parallel dazu die Organisation der nächsten Dreharbeiten und die inhaltliche Aufbereitung der Cases. Unser Ziel ist es, möglichst unterschiedliche Branchen und Einsatzbereiche abzubilden: vom Handwerk über Industrieunternehmen und Verwaltung bis hin zu sozialen Bereichen. Die nächste Folge wird zeigen, wie KI in der Gastronomie Unterstützung leisten kann.
Was nimmst du bislang aus dem Projekt mit – und wo liegt für dich die größte Herausforderung?
Am meisten schätze ich den direkten Austausch mit den Unternehmen und Menschen vor Ort. Man merkt schnell, wie viel Innovationskraft in Baden-Württemberg steckt – gerade auch in Betrieben, die nicht groß über ihre Lösungen sprechen. Die Reihe gibt diesen Erfahrungen eine Bühne.
Die größte Herausforderung ist die Balance zwischen technologischer Tiefe und verständlicher Kommunikation. KI ist ein komplexes Thema, aber genau deshalb ist es wichtig, ehrlich, nachvollziehbar und nah an der Praxis darüber zu sprechen – ohne zu vereinfachen und ohne zu übertreiben.