Vom Stand in die Fläche: Was die KI-Allianz von der Hannover Messe 2026 mitnimmt

Fünf Tage Hannover, ein voller Stand, ein dichtes Programm. Die Hannover Messe 2026 hat uns als KI-Allianz Baden-Württemberg genau dorthin gebracht, wo wir sein wollen: ins Gespräch mit Unternehmen, Politik und internationalen Delegationen. Was bleibt, sind keine spektakulären Tech-Demos, sondern ein klarer Eindruck davon, welche Antworten und Lösungen wir für KI im Land anbieten und wie sich Unternehmen proaktiv einbringen können, um das Ökosystem sinnvoll weiterzuentwickeln.

Wer in diesem April durch Halle 14 ging, hat schnell gemerkt: Der Diskurs hat sich verschoben. Künstliche Intelligenz ist nicht mehr das Thema, das man auf einer Industriemesse erklären muss – sondern eines, zu dem alle eine Haltung mitbringen. Egal, ob Anbieter, Anwender, Forschungseinrichtungen oder politische Entscheider:innen. Was sich gleichzeitig zeigt: Zwischen Interesse und Umsetzung klafft im Mittelstand nach wie vor eine spürbare Lücke.

Genau hier setzen wir an. Auf dem Gemeinschaftsstand von Baden-Württemberg International und der Allianz Industrie 4.0 Baden-Württemberg in Halle 14, Stand J40, waren wir die zentrale Anlaufstelle für KI im Land – und bringen nach fünf Messetagen eine ganze Reihe von Beobachtungen, Gesprächen und neuen Verbindungen mit zurück. Was besonders eindrücklich war: Die Verbindung zwischen den einzelnen Akteuren und eine Reichweite, die über die Landesgrenzen hinaus wirkt.

Was wir in Hannover gesehen haben, ist die nächste Phase: weg von der Frage, ob KI relevant ist – hin zu der Frage, wie sie konkret in den Alltag von Unternehmen kommt. Und genau da liegt unsere Aufgabe und Stärke.

Sandra Rohner im Austausch mit besonderen Gästen (v.l.n.r.): Flavia Zaka, Cem Özdemir, Franziska Brantner und Isabella Jesemann.

Politischer Rückenwind: Özdemir und Brantner am Stand

Den politischen Auftakt setzten zwei prominente Gäste direkt zu Beginn der Messewoche. Der designierte Ministerpräsident Baden-Württembergs, Cem Özdemir, sowie die Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Dr. Franziska Brantner, besuchten uns am Stand und zeigten nicht nur Interesse, sondern fundiertes Wissen im Bereich KI-Entwicklung in Baden-Württemberg. Unser Ansatz und unsere Strategien für die Souveränität auf regionaler-, Landes-, Bundes-, und EU-Ebene und auch die bisherigen Ergebnisse der KI-Datenplattform sind ihnen bereits bekannt und werden von der strategischen Entwicklung der Wirtschaftsvereinigung der Grünen als genau der richtige Ansatz bewertet.

Der Besuch zeigt, dass die KI-Allianz als Modellstruktur für andere Bundesländer wahrgenommen wird.

Die Gespräche kreisten um eine Frage, die in unterschiedlichen Tonarten an diesem ersten Messetag immer wiederkehrte: Wie schafft Baden-Württemberg den Sprung von einer KI-fähigen Forschungslandschaft zu einer KI-anwendenden Wirtschaft – und das, ohne den Mittelstand abzuhängen?

Wir spüren auf beiden Seiten – Politik und Wirtschaft – die Bereitschaft, das Tempo zu erhöhen. Was es langfristig braucht, sind Strukturen, die Bedarf und Lösung systematisch zusammenbringen. Genau das ist unser Auftrag.

Internationale Delegationen: Vom Matchmaking zur Kooperation

Hannover ist als weltweit größte Industriemesse immer auch ein Forum für zahlreiche Akteur:innen aus aller Welt, die KI im industriellen Kontext entwickeln und anwenden.  Für die KI-Allianz war dies in diesem Jahr ein Schwerpunkt – und Sandra Schorrer als Verantwortliche für Internationalisierung entsprechend dicht getaktet.

Auf dem Stand zu Gast waren unter anderem Fachdelegationen aus den Niederlanden, Wales, Indien und Brasilien sowie vom internationalen KI-Hardware-Anbieter NVIDIA. Hinzu kamen ein hochrangiger Delegationsbesuch aus Thailand, Mexiko und Taiwan sowie der geschlossene Austausch mit den kanadischen Partnern beim Germany & Canada AI Leaders Lunch und beim Canadian-German Industrial AI Symposium. Darüber hinaus wurden beim B2B-Matchmaking mit Kanada sowie beim Format Industrial AI in Action: Matchmaking Brazil gezielt Unternehmen aus Baden-Württemberg mit den Industrie- und Forschungsakteur:innen dieser Länder zusammengebracht.

Deutlich wurde dabei: Internationale Sichtbarkeit für den Standort Baden-Württemberg entsteht nicht durch einzelne Kontakte, sondern durch wiederkehrende, strukturierte Formate und regionenübergreifende Aktivitäten. Die KI-Allianz übernimmt hier mit ihrer genossenschaftlichen, dezentralen Struktur eine zentrale Rolle um KI in die Fläche zu bringen – regional verankert, überregional vernetzt.

Internationale Partner suchen heute nicht mehr nur einzelne Unternehmen, sondern zu ihren Bedarfen passende Ökosysteme. Wenn wir „KI made in Baden-Württemberg“ international platzieren wollen, müssen wir genau dieses attraktive Ökosystem anbieten – und das tun wir.

Jan Zipp und Sandra Schorrer im Gespräch mit Frau Generalkonsulin Prapenpim Prachonpachanuk, der Königlich Thailändischen Botschaft in Berlin

Mittelstand zwischen Anspruch und Realität

Jenseits der politischen Termine dominierten am Stand das, was den eigentlichen Wert einer Messeteilnahme ausmacht: lange, ehrliche Gespräche. Die Essenz aus diesen Gesprächen ist über Branchen hinweg überraschend einheitlich. Unternehmen erkennen die Relevanz von KI – stehen aber bei der Umsetzung an ähnlichen Stellen.

Es geht selten um fehlende Technologie. Es geht um fehlende Orientierung: Welche Anwendungsfälle lohnen sich für den eigenen Betrieb? Welche Anbieter sind seriös? Wie passt eine KI-Lösung in bestehende Prozesse, ohne sie zu sprengen? Und: Wie lässt sich vermeiden, dass aus einem ambitionierten Pilotprojekt ein teures Stillstandsprojekt wird?

Das deckt sich mit dem, was wir als KI-Allianz aus unserer Arbeit in den Regionen ohnehin kennen – und was den Kern unseres Angebots ausmacht: Bedarfe übersetzen, passende Partner identifizieren, Risiken abschätzen, bevor investiert wird. Was in Hannover hinzukommt, ist die Skalierung dieses Angebots: An kaum einem anderen Ort lassen sich in fünf Tagen so viele relevante Gespräche führen wie hier.

Die Hannover Messe ist für die KI-Allianz ein einzigartiger Seismograf: Innerhalb der fünf Tage erfahren wir die Bedarfe der Unternehmen in einer Dichte und können die richtigen Akteure sofort zusammenbringen – aus einem losen Gespräch wird direkt Vernetzung mit konkretem Mehrwert.

ask-bw.io: KI-Wissen abrufbar machen

Ein konkretes Werkzeug, das diese Übersetzungsarbeit unterstützt, war auf der Messe live zu sehen: der Demonstrator der KI-Wissens- und Matchmaking-Plattform ask-bw.io. Hinter dem schlichten Suchfeld steckt der Anspruch, die zentrale Frage „Wo finde ich für meinen Bedarf die passende KI-Lösung in Baden-Württemberg?“ beantwortbar zu machen – kontextuell, qualitätsgesichert und werbefrei. In diesem Jahr erstmals mit einem Auszug aus der Use-Case- und Angebotsdatenbank des Community-Managements sowie Inhalten der KI-Datenplattform.

Bildquelle: KI-Allianz

ask-bw.io kurz erklärt

ask-bw.io ist der erste öffentlich zugängliche Demonstrator der geplanten Wissens- und Matchmakingplattform. Nutzer:innen formulieren ihren Bedarf in natürlicher Sprache und erhalten Antworten aus dem kuratierten KI-Ökosystem Baden-Württembergs – mit Verweisen auf passende Anbieter, Forschungsprojekte, Förderoptionen und Veranstaltungen.

Die Resonanz auf den Demonstrator war an allen fünf Messetagen hoch – nicht zuletzt, weil er etwas zeigt, das viele Gespräche zuvor andeuten: Die Lösung muss nicht erfunden werden. Sie muss findbar werden.

Mitgliedschaften: Die Genossenschaft wächst

Spürbar verändert hat sich in diesem Jahr auch das Tempo bei den Mitgliedschaftsgesprächen. Die KI-Allianz ist als Genossenschaft organisiert – ein Modell, das auf Beteiligung statt auf Projekt-Logik setzt. Auf der Messe wurde sichtbar, dass diese Idee zunehmend trägt: Zahlreiche Gespräche mit potenziellen Genossenschaftsmitgliedern, mit Multiplikator:innen aus den Regionen, mit Anbietern, die in das KI-Ökosystem eingebunden werden möchten.

Auch der Messefragebogen, mit dem wir an jedem Stand-Termin systematisch Bedarfe abgefragt haben, liefert eine wertvolle Grundlage für die Anschlussarbeit. Er macht aus jedem einzelnen Gespräch einen dokumentierten Anknüpfungspunkt – und damit einen möglichen ersten Schritt in ein konkretes KI-Projekt.

Eine Mitgliedschaft in der KI-Allianz ist keine passive Mitgliedschaft. Sie ist eine Beteiligung an einer Struktur, die das Land braucht. Das verstehen die Unternehmen, mit denen wir hier gesprochen haben, sehr genau.

David Reger, Founder & CEO | NEURA Robotics zu Besuch auf dem Stand der KI-Allianz

Was bleibt – und was jetzt zählt

Die Hannover Messe 2026 hat bestätigt, was wir aus unserer täglichen Arbeit ableiten: KI scheitert im Mittelstand nicht an Technologie, sondern an Strukturen. An fehlender Übersicht, an fehlender Übersetzung, an fehlendem Vertrauen. Genau diese Strukturen aufzubauen, ist die Aufgabe, an der wir als KI-Allianz weiterarbeiten – mit Partner:innen aus Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlicher Hand.

Was wir aus Hannover mitnehmen, ist nicht der eine große Moment. Es sind sehr viele kleine, aus denen jetzt Projekte werden. Genau das ist der Hebel.

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