KI kennt keine Grenzen – warum Internationalisierung den Mittelstand direkt betrifft

Ob neue Wettbewerber, internationale Fachkräfte oder globale Dateninfrastrukturen – Künstliche Intelligenz verändert Märkte über Ländergrenzen hinweg. Für kleine und mittlere Unternehmen in Baden-Württemberg wird es damit entscheidend, internationale Entwicklungen nicht nur zu beobachten, sondern aktiv zu nutzen. Unsere Expertin für Internationalisierung bei der KI-Allianz Baden-Württemberg Sandra Schorrer gibt Einblicke in dieses spannende Feld und erklärt, wie globale Dynamiken für die Praxis umsetzbar werden.

Besuch der deutschen Delegation rund um Sandra Schorrer in Slowenien im April 2025.
Sandra Schorrer (3. v. r.) bei einem Besuch in Slowenien im April 2025 (Foto: Ziga Intihar).

Die Reise diente u.a. dazu, die langjährigen, bilateralen bzw. multilateralen Beziehungen mit Slowenien zu vertiefen, die im Rahmen der EU-Strategie für den Donauraum (EUSDR) seit geraumer Zeit bestehen. Neben politischen Treffen standen intensive Fachgespräche am IRCAI – International Research Center on Artificial Intelligence under the auspices of UNESCO sowie im Technology Park Ljubljana, wo die aufstrebende Start-up-Szene Sloweniens angesiedelt ist, im Vordergrund.

Derzeit stellt sich für mittelständische Unternehmen in Baden-Württemberg die Frage, für welche unternehmerischen Herausforderungen KI-basierte Lösungen eingesetzt, mit welchem Partner diese implementiert und unter welchen rechtlichen Rahmenbedingungen diese umgesetzt werden können. Was dabei oftmals unterschätzt wird: Zahlreiche entscheidende Impulse entstehen nicht im lokalen, sondern im internationalen Kontext. Denn Künstliche Intelligenz entwickelt sich dynamisch über Ländergrenzen hinweg – mit direkten Auswirkungen auf Wettbewerbsfähigkeit, Wertschöpfung und Innovationsfähigkeit des Mittelstands.

Zudem zeigen wissenschaftliche Studien, dass gerade große, wissensbasierte Volkswirtschaften überdurchschnittlich von KI profitieren können. Entscheidend hierfür ist unter anderem die Geschwindigkeit, mit der sich Wissen lokal verbreitet und wirtschaftlich nutzen lässt – also auch, wie schnell die Unternehmensadaption im exportabhängigen, baden-württembergischen Mittelstand gelingt. Für uns als KI-Allianz ist es daher zentral, überregional entstehendes Wissen in die Fläche zu bringen und Internationalisierung als strategisches Themenfeld zu verstehen.

Regional verankert, überregional vernetzt

Nur wenn wir als KI-Allianz regional in der Fläche verankert und zugleich überregional vernetzt sind, können wir die Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz nachhaltig erschließen – für unsere Mitglieder, den Mittelstand und Kommunen gleichermaßen.

Denn: KI ist per Definition ein grenzüberschreitendes Feld. Infrastruktur, Fachkräfte, Anwendungsfelder und regulatorische Rahmen entwickeln sich ungeachtet der Landesgrenzen. Die Auswirkungen zeigen sich in veränderten Markt- und Wettbewerbsstrukturen – etwa wenn KI-basierte Geschäftsmodelle internationaler Start-ups zur Konkurrenz für etablierte Unternehmen werden oder sich gleichzeitig neue Absatzmöglichkeiten eröffnen. Für den Mittelstand bedeutet das: Internationale Entwicklungen wirken nicht abstrakt, sondern ganz konkret auf Geschäftsmodelle, Lieferketten und Innovationsprozesse.

G7-Treffen beim Canada-Germany AI Ecosystem Symposium 2025 in Montreal
G7-Treffen beim Canada-Germany AI Ecosystem Symposium 2025 in Montreal, an dem Sandra Schorrer teilnahm.

Internationale Fachkräfte und neue Marktmöglichkeiten

Die KI-Allianz-Regionen vereinen eine hohe Dichte an angewandten Forschungsinstituten, wachstumsstarken Unternehmen und Fachkräften in für KI besonders relevanten Branchen – vom produzierenden Gewerbe über den Maschinenbau bis hin zur Medizintechnik und Robotik.

Damit bieten viele Unternehmen – gerade die sogenannten Hidden Champions – auch für internationale Absolvent:innen hochattraktive Anwendungsfelder. Sie können theoretisches KI-Wissen direkt in spezialisierte Produkte und Prozesse einbringen. Gerade diese Verbindung aus Praxisnähe, technologischer Tiefe und internationaler Offenheit macht Baden-Württemberg zu einem attraktiven Standort im globalen KI-Wettbewerb.

Gleichzeitig bringen internationale Fachkräfte neue Perspektiven in Unternehmen, Forschung und Kommunen. Das zeigt sich auch in konkreten Beispielen: Ein Tübinger Unternehmen konnte durch internationale Data-Science-Expertise innovative Methoden in der Qualitätssicherung implementieren. Ein schwäbisches Textilunternehmen kooperiert mit einem österreichischen Start-up, um mithilfe von KI die Produktion zu optimieren.

Auch internationale Forschungskooperationen – etwa mit Partnern in der Donauraum-Region oder Kanada – tragen dazu bei, dass Wissen gezielt zwischen Forschung und Industrie zirkuliert und schneller in die Anwendung kommt.

Konkrete Brücken: Wie wir internationale Zugänge schaffen

Vor diesem Hintergrund engagiert sich die KI-Allianz Baden-Württemberg gezielt im internationalen Austausch. Wir machen Entwicklungen sichtbar, identifizieren relevante Anknüpfungspunkte und schaffen konkrete Zugänge für den Mittelstand. Das kann die Vermittlung von Kooperationspartnern sein, der Zugang zu internationalen Projekten oder die Einordnung technologischer Entwicklungen. Ziel ist es, internationale Chancen so aufzubereiten, dass sie für Unternehmen und Kommunen konkret nutzbar werden.

Ein Beispiel aus der Praxis: Über internationale Kontakte der KI-Allianz entstehen gezielt B2B-Formate, etwa im Rahmen der Hannover Messe, bei denen Unternehmen aus Baden-Württemberg direkt mit KI-Anbietern aus Kanada oder Brasilien in Austausch treten.

Viele unserer Mitgliedsunternehmen haben die Relevanz dieser internationalen Orientierung bereits erkannt: So stellt etwa die weber.digital GmbH Infrastruktur das schnellste Glasfasernetz zwischen Europa und China bereit und bietet lokal, auf der Schwäbischen Alb gehostet, Zugang zu chinesischen KI-Modellen an. DigitalNewX wiederum gründete jüngst seine Niederlassung in Irland, um enger mit irischen Kunden zu kooperieren und erprobte KI-basierte bzw. digitale Services auf europäische Märkte zu skalieren.

Auch kommunale Akteure wie die Wirtschaftsförderung der Stadt Karlsruhe vertiefen internationale Partnerschaften – zum Beispiel die Technologie- und KI-Verbindungen mit Indien – und schaffen so neue Impulse für regionale Innovationsprozesse.

Sandra Schorrer von der KI-Allianz Baden-Württemberg beim Networking während des Canada-Germany AI Ecosystem Symposiums in Montreal.
Networking: Sandra Schorrer beim Canada-Germany AI Ecosystem Symposium 2025 in Montreal.

Vernetzung als Schlüssel zur Wirkung

Neben konkreten Unternehmenskooperationen trägt auch die projektbezogene Arbeit der KI-Allianz zur Internationalisierung bei: Im KI-Investoren-Plugin werden Start-ups mit internationalen Investoren vernetzt, die KI-Datenplattform wird ggf. auch Mobilitätsdaten für grenzüberschreitende Services, etwa im Dreiländereck, bereitstellen und über die Internationalisierungsstelle in der KI-Allianz besteht enger Austausch und gegenseitigen Unterstützung in bilateralen Programmen. Darunter mit Partnern aus Großbritannien und Kanada.

Auch Delegationsreisen und internationale Austauschformate helfen dabei, neue Märkte zu erschließen und konkrete Kooperationsansätze für Unternehmen zu identifizieren. So konnten wir bereits an aufschlussreichen Veranstaltungen in London, Dublin oder Slowenien teilnehmen. Dieser Austausch mit internationalen KI-Initiativen zeigt, wie stark regionale Ökosysteme voneinander profitieren können.

Durch die gezielte Vernetzung von Anbietern und Anwendern entstehen Synergien, die sowohl die internationale Sichtbarkeit als auch die Innovationskraft der Regionen nachhaltig stärken.

Internationale Perspektiven als Wettbewerbsvorteil nutzen

Wer versteht, wie sich Technologien, Märkte und Partnerschaften global entwickeln, kann Risiken besser einschätzen und Chancen gezielt nutzen. Und so wird deutlich, dass internationale Kooperationen im KI-Ökosystem die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und Kommunen in Baden-Württemberg unmittelbar beeinflussen und nachhaltig verbessern. Für den Mittelstand wird Internationalisierung damit zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor bei der Einführung und Skalierung von KI.

Genau hier setzen wir als KI-Allianz an: als Plattform, Impulsgeberin und Türöffnerin. Wir schaffen Zugänge zu internationalen Partnern, bündeln Wissen und unterstützen unsere Mitglieder dabei, ihre Position im regionalen und überregionalen KI-Ökosystem zu stärken. Unser Ziel ist es, internationale Dynamiken in konkrete Wirkung vor Ort zu übersetzen – für einen starken, zukunftsfähigen Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg.

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